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Galerie Kunst und Eros

 

Fides Linien "Venus' Flor"
14.September 2018
Galerie Kunst&Eros



Man muss schon genau hinsehen um zu erkennen, woraus die zarten Linien in den Kunstwerken dieser Ausstellung bestehen.
Es sind Fides’ Linien.
Fides’ Linien folgen ihrer ganz eigenen Ordnung.
Sie folgen den Zeichnungen der Künstlerin, die bei Professor Peter Bömmels an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Freie Kunst studierte und dort ihr Studium als Meisterschülerin 2012 beendete.
In der feinen Struktur ihrer Bilder suggerieren die Linien gleichsam selbst Zeichnungen zu sein, bestehen dabei jedoch ausnahmslos aus verschiedenen Garnen.

Von Inspirationen aus Mode, Textilien und Design geleitet, von ihre Faszination am sich wiederholenden Ornament, der Faszination an der Faser an sich, und der Faszination für Transparenz.

Wie entstehen nun diese transluziden Gebilde der Künstlerin?
Hoch oben, im Atelier eines Industriegebäudes im Dresdner Westen erhielt ich die Antwort: die Künstlerin schöpft zunächst ihr eigenes Papier.

Es nennt sich Kozo, Gambi oder Bananen Faser, wird in einem aufwändigen Prozess von Hand aus verschiedenen Pflanzenfasern, wie beispielsweise aus der Rinde des Maulbeerbaums oder der Bananenstaude hergestellt.
Dann werden die feinen Garnfäden der zeichnerischen Vorlage nach auf einen feuchten, handgeschöpften Bogen gelegt. Darauf kommt wiederum eine nasse Schicht geschöpftes Papier. Nach dem Trocknen besteht die zeichnerische Vorlage schließlich aus Fäden als filigrane Einlegearbeit im Papier.

Mich erinnerte diese Antwort an ein Märchen, in dem aus Stroh Gold gesponnen wird – das hab ich der Künstlerin natürlich nicht gesagt. Aber: Ein wahrer Schatz ist sie doch, die Papierkunst von Fides Linien – Carta Staminea.  Die Künstlerin scheint damit ein Alleinstellungsmerkmal zu haben.

Fides, die seit 2016 in einer Internationalen Organisation für Papierkunst Mitglied ist, prägte mit ihrer Interpretation von Identitäts- und Geschlechterfragen bereits zahlreiche Ausstellungen während der letzten Jahre - vor allem im Ausland, wie kürzlich in Italien, Kanada und Korea.
Sie setzt Themen wie Mode und Schönheit im Wandel der Zeit, Fruchtbarkeit und Mythologie um, greift Verwandlungs- und Verhüllungstabus auf und verarbeitet biblische Geschichte. Sie interessiert sich für traditionelle Bekleidungen und zeitgenössische, modische Tendenzen. Ein besonderes Anliegen ist es ihr, die Rolle der modernen Frau in der Gesellschaft auf ihre eigene Weise herauszuarbeiten.
Auf ihren zahlreichen Reisen lässt sie sich von landestypischen Moden inspirieren und besucht aktuelle Modeausstellungen. Sie setzt sich ein für die sogenannte Slow Fashion, dessen Begriff für Nachhaltigkeit und bewussten Umgang mit Mode und Resourcen steht.

Seit kurzem arbeitet die Künstlerin außerdem an einem sozialen Projekt in Uganda, das sie selbst ins Leben gerufen hat. Sie lehrt Frauen und Kinder vor Ort Papier schöpfen und u.a. für Hygieneartikel weiter zu verarbeiten, die dort entweder überteuert verkauft werden oder überhaupt nicht erhältlich sind. Indem sie Hilfe zur Selbsthilfe gibt, stärkt sie das Unabhängigkeits- und Selbstwertgefühl dieser Frauen und unterstützt damit deren regionale Geschäfte. Die Möglichkeit aus Naturmaterialien wie dem Stamm der Bananenpflanze  auf einfache Weise wertvolle Alltagshelfer zu schaffen, ist der Künstlerin eine  Herzensangelegenheit in einem Land, in dem derzeit noch 70% der Bevölkerung ohne Energie auskommen muss.

Das wahre Kunstwerk ist nur ein Schatten der göttlichen Vollkommenheit – so ein Zitat von Michelangelo, das die Künstlerin auf ihrem Instagram Account verwendet .  Wahrheit und Reinheit in der Kunst sind ihr Maßstab, das Vorbild für Ihr Werk in der Natur zu suchen ihr Kompass.

Während die Künstlerin auf einem Papierkunstkongress in Sofia dieses Jahr erstmals ihre Erfahrungen mit vielen anderen Papierkünstlern teilen konnte, können wir hier, in der Galerie Kunst & Eros, erstmalig etwas aus dieser Kunstgattung bewundern.
Janett Noack, die mir die Möglichkeit eines Atelierbesuches vermittelte, schickte mich auf den Weg mit den Worten: es sind Bilder aus Fäden. Ehrlich – nie hätte ich gedacht, dass etwas mit so profanen Worten Bezeichnetes derart sensationell aussehen kann.
Mögen „Nereide“, „Lilith“, „Medusa“ „Maria“ und „Domestica“ - all ihre weiblichen Kunstfiguren nun Ihre Herzen erobern.

Zu erwähnen sei auch, dass – neben den hängenden Arbeiten -  Siebdrucke, Holzschnitte und Litographien von Fides Linien in der Grafikmappe zu sehen (und zu erwerben) sind.

Einen wunderbar eindrucksvollen und umgarnenden  Ausstellungsrundgang wünsche ich Ihnen im Namen der Galeristin und der Künstlerin Fides Linien.

Solvig Frey
14. September 2018

www.kunstunderos.de