skip to content

Galerie Kunst und Eros


„Nächtliches“ von Gudrun Trendafilov in der Galerie Kunst&Eros

„Der Mond ist aufgegangen“*1 – Musik

Perfekter hätte man den Termin der Ausstellungseröffnung mit dem Titel „Nächtliches“ nicht wählen können. „Es ist wieder Vollmond, komm schau ihn dir an“*2. Und zwar heute. Der Mond ist etwas, das die Menschen schon immer faszinierte. Er besitzt eine magische Anziehungskraft. Märchen, Sagen, Mythen ranken sich um ihn. Wir richten viele Tätigkeiten nach dem Mondkalender aus. Er bestimmt unser Wohlempfinden und manchmal lässt er uns nicht schlafen.  Einige Störungen im Lebens- oder Tagesablauf schreiben wir seiner Wirkung zu.
Doch besonders Liebenden scheint der Mond ein Sehnsuchtsort zu sein. Er sieht den „Mond in ihren Augen“*3 und sie versichert ihm: „Du bist mein Mond“*4 . Unmögliches scheint möglich zu sein mit dem Mond als sichtbare, leuchtende Kraft am Firmament: „Hab den Mond mit der Hand berührt“*5 oder die inständige Bitte: „Vollmond, setz mich ins rechte Licht“*6.
„Manchmal wird der Mann im Mond für seinen treuen Dienst belohnt“*7 .
Doch kann es  auch vorkommen, dass dem verschmähenden Partner verkündet wird: „Schieß mich doch zum Mond“*8 oder „Es ist vorbei, Junimond“*9. Der Mond kann als unerreichbarer Beteiligter einfach für viele Dinge verantwortlich gemacht werden: „Wenn der Mond mich blöde angrinst, die arme Sau kennt ja kein Bier, dann hab ich dich wohl nicht mehr verdient“.*10
Ja,ja: „Damals hinterm Mond“*11 - die Erinnerung an Nächte mit Vollmond ist wohl auch präsenter als an die ohne: „Was haben wir denn nur gemacht, in dieser gottverdammten Nacht – unterm Vollmond im Mai...“*12 Ebenso wird dem Mond eine dunkle Kraft zugeschrieben, so wie sie uns mit der „Dunklen Seite des Mondes“*13 sowohl in Musik als auch Literatur begegnet.

Die Nacht verheißt Stille, Ruhe. Ein leises Innehalten. Der Gedanken und der Bewegungen. Eintauchen in Träume. Wegtauchen. Weg von den Aufgaben des Tages. Erholung. Räume schaffen außerhalb der Tageszwänge. Besinnung und Sinnlichkeit. Genuss.  Allein...oder zu zweit. Eine die Sinne berührende Zeit oder sinnliches Berühren.
Darüber das Sternenzelt und - im Schlaf von uns unbeachtet - die vielen leisen und lauten Geräusche, die die Nacht unheimlich und aufregend machen können. Tiere kriechen aus ihren Verstecken, es knistert und an den Baumkronen zurrt der Wind.
 „Schuhu“ ruft der Uhu, der nachtsehende Vogel. Früher bezeichnete man ihn als König der Nacht. Im Bild ist er der Nachtwächter an der Seite des Menschen.
Der Rabenvogel, der nicht nur Edgar Allen Poe inspirierte, begegnet  uns beim „ Mondbad“, dem einzigen Ölbild der Ausstellung. Als aufmerksame und treue Figur wacht er über das Geschehen. Was braucht es mehr um sich geborgen der Nacht hinzugeben? Am Morgen verschwindet er mitsamt den Träumen.
Die Künstlerin liebt diese Tiere, die bereits den Fluchtgedanken in sich tragen, verkörpern sie doch Freiheit und Aufbruch. Immer wieder tauchen sie in ihren Bildern auf.
Einen Ort finden, der Zuflucht ist und Geborgenheit gibt - ein Gedanke, der sich in ihren Zeichnungen, Collagen und Malereien wiederspiegelt. Die Ausstellung, in der Lust und Sinne miteinander eine feine Verbindung eingehen, zeigt Paarungen in vielen Facetten. Die zwischenmenschliche Beziehung wird zum gegenseitigen Halt. Keiner hat Oberhand. Anlehnen schafft Nähe und nicht Schwäche. Kraftvoll wirken die scheinbar dahingeworfenen Tuschezeichnungen. Dies ist neben der handwerklichen Kunstfertigkeit sicher dem Umstand zu verdanken, dass die Künstlerin selbst eine starke Frau ist.
In ihren Arbeiten spielt die Figur der Frau stets eine Hauptrolle. Die für diese thematische Ausstellung ausgewählten Bilder zeigen sie dabei jedoch in einer ganz besonderen Präsenz. Die Künstlerin spielt mit lasziven, aber auch hinterfragenden Blicken. Die Bewegungen sind weich und doch bestimmt. Die Hinwendung zum partnerlichen Du, ob Mann oder Freundin, liebevoll und sinnlich.
Das Repertoire der Variationen der Begegnungen scheint endlos. Es gleicht der Suche nach der allumfassenden, der wahren Liebe.


Gudrun Trendafilov arbeitet seit 1981 mit Abschluss ihres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Dresden freischaffend. Ihre Arbeiten erhielten beachtliche Anerkennungen und sind nicht nur im Besitz sächsischer Galerien und Institutionen, sondern darüber hinaus auch in Frankfurt, Potsdam und Erlangen sowie im öffentlichen Raum präsent.
Als Gründungsmitglied der Dresdner Sezession war sie von 1989 bis 2008 in diesem Künstlerverein aktiv.
Das Miteinander der späten 80er und frühen 90er Jahre aber vermisst sie und beteiligt sich deshalb gern an Projekten mit gleichgesinnten Künstlerinnen und Künstlern.  Sie setzt sich dabei auch mit anderen Themengebieten auseinander, z.Bsp. im „Kassandra“-Projekt des letzten Jahres, das sie gemeinsam mit einer Schriftstellerin und zwei bildenden Künstlerinnen bestritt.
Sinnlichkeit strahlen zwar alle ihre Werke aus, aber besonders für diese Ausstellung entstanden sehr viele neue Arbeiten, die dem besonderen Charakter der Galerie huldigen.
„Kunst & Eros“ als sinnliche Begegnungsstätte.
Zusätzlich kann man einen kleinen Einblick in früher Entstandenes gewinnen: einige Blätter entstammen der Zeit von 1988-91. Sie reihen sich ohne Weiteres ein in Heutiges, denn die Handschrift von Gudrun Trendafilov ist unverkennbar. Nicht nur deshalb genießen die Arbeiten der Künstlerin besonders in Dresden einen hohen Beliebtheitsgrad. Ihre zeichnerische Darstellung spricht die Sinne sehr vieler Menschen an.
Dass die Zeichnung in jeglicher Form, auch als Algraphie, Collage oder Mischtechnik einherkommt und damit als Markenzeichen von Gudrun Trendafilov zu bezeichnen ist, verdankt sie ihrem Lehrer, Prof. Gerhard Kettner, der ihr besonders dieses Handwerk nahe brachte.
Wir sehen in der Ausstellung unterschiedliche, farblich abgestimmte Bereiche, wobei das Blau (der Nacht) den größten Teil  einnimmt. Die sparsam verwendeten Farbgebungen charakterisieren die jeweiligen Blätter und verpassen ihnen eine Grundstimmung, von der man sich mittragen lassen kann.
Und auch den Mond findet man dort, mal als kleine Sichel oder leuchtend rund am Blattfirmament.

„Gelber Mond“ *14- Musik

Solvig Frey
16.09.2016


Musikzitate:
*1   „Der Mond ist aufgegangen“ - Matthias Claudius
*2     „Heut ist wieder Vollmond“ - Hauff/Henkler
*3   „Mond in ihren Augen“ - Pe Werner
*4   „Du bist mein Mond“ - Pe Werner
*5   „Hab den Mond mit der Hand berührt“ - Karat
*6   „Vollmond“ - Herbert Grönemeyer
*7   „Mann im Mond“ - Die Prinzen
*8   „Schieß mich doch zum Mond“ - Roger Cicero
*9   „Junimond“ - Rio Reiser
*10   „Wenn der Himmel mir am Arsch hängt“ - Dirk Zöllner
*11  „Damals hinterm Mond“ - Element of Crime
*12   „Vollmond“ - Silly
*13  „The dark side of the moon“ - Pink Floyd
*14  „Gelber Mond“ - Cäsar Gläser

 

Galerie Kunst&Eros