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Galerie Kunstkeller aktfotoARTdresden

 

„Ein Hut genügt...“ - heitere Fotografien von Volkmar Fritzsche


Ist es ein „alter Hut“, den Volkmar Fritzsche mit den Bildern der aktuellen Ausstellung hervorkramt? Keinesfalls! In Begleitung zahlreicher Modelle eröffnete er die Shootingsaison, dieses Mal also zum Thema Hut. Was Einem oder Einer dazu einfällt – da kann dem Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes manchmal „der Hut hochgehen“.
Aber keine Angst: wegfliegen kann er hier drinnen nicht, der Hut. Also tasten wir uns mal ganz vorsichtig  ans Thema ran und werfen damit „den Hut in den Ring“.
Gut behütet könnte man diese Ausstellung auch nennen, denn einige der Hutbilder entstanden in Homeshootings. Hut-Zeigewillige und vor allem Hut-Besitzende, ja manchmal auch Hut-Besessene Modelle -vermutet man bei der großen Anzahl der Bilder – standen Schlange um dem Thema Inhalt und Form zu geben.
Übrigens – abgesehen vom Hut meines Großvaters – kam ich durch ein Missverständnis zu diesem Kleidungsstück. Als mich mein Vater fragte, was ich mir zum 30.Geburtstag wünschte, muss ich wohl etwas undeutlich geantwortet haben. Jedenfalls verstand er „Hut“ und ich – kaum ausgesprochen – fand den Wunsch auf einmal gar nicht so absurd. Mit 30 kann man schon mal „auf den Hut kommen“ und sagte also: „Hut ist gut!“. Prompt bekam ich ihn geschenkt.
Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen, in denen ich selbst nicht nur zur Hutträgerin, sondern auch zur Hutkäuferin avancierte. Vielleicht schauen wir aber zunächst etwas zurück in die Geschichte des Hutes.
Das Tragen eines Hutes wurde in Europa von den Sachsen im 10. Jahrhundert eingeführt. Zunächst war es ein Strohhut, der den eigenen Stamm kennzeichnen sollte. Später wurden im deutschsprachigen Raum vor allem spitzzulaufende Modelle mit breiter Krempe getragen, wie man sie heute von der Trachtenmode kennt. Ab 1800 aber entwickelten sich die dekorativen Formen: reich verzierte Hüte mit breiten Krempen, die in das Gesicht reichten und unter dem Kinn mit einem Band befestigt wurden. Bei Männern hätte das sicher seltsam ausgesehen. Die Hutmode der Männer entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert und war oft auch politisches Statement. Währenddessen wurden die Hüte der Damen knapper und zierlicher im Umfang. Erst ab 1900 symbolisierten sie mit breiten Krempen und Verzierungen, wie Blumen und Federschmuck, Wohlstand und Reichtum.
Die Entwicklung der Hutmode können wir jährlich „um die Ecke“ beim legendären Hutball im Parkhotel beobachten. Dort sind nicht nur die traditionellen Modelle zu bestaunen. Die Hutballbesucher werden im Vorfeld oft selbst kreativ und entwerfen das ganz spezielle Hutmodell für dieses Event. Ob das allerdings nicht auch ein wenig Präsentationszwang ist? Klar, das hat der Hut so an sich: er möchte und er muss präsentiert werden.

Doch weiter in der Geschichte. Waren ab 1920 enganliegende Topf- bzw. Glockenmodelle modern, wurden es ab 1930 breite und zierliche Hüte und in den Kriegsjahren die der Uniformmode entlehnten Schiffchen. Lange Zeit danach waren Hüte aus der Mode gekommen…, bis in den 80ern die Basecaps den Markt eroberten. Sportliche und elegante Modelle für Jung und Alt sind noch immer auf den vorderen Hutplätzen zu finden. Ab 2005 waren es dann die Männer, die die Hutmode von einst aufgriffen.
Hüte sind mittlerweile wieder im Straßenbild zu finden, ob aus Filz oder wasserabweisend gegen Regen. Komplettiert manch Kopfbedeckung doch erst das Erscheinungsbild oder verbessert es gar. Man braucht nur etwas Mut zum Hut.
Ist es Hochstaplerei, wenn der Hut des Modells gekonnt Sprüche der Alltagssprache aufgreift? Ist es „Hutunter“, wenn der Blumenkranz das Haupt und nicht den Hutrand schmückt? Sehen wir richtig, wenn der kleinste Hut nicht den Kopf bedeckt, sondern ganz andre Erhebungen schützt? Gerät der Hut aus dem Rahmen, wenn er freiwillig oder unfreiwillig entblößt? Mutiert der Hut zum Spielball ohne feste Regeln und Stadion?
Der Bildautor und seine Modelle zwischen 18 und 80 Jahren haben allerhand zum Thema „aus dem Hut gezaubert“. Manchmal ging es auch wirklich nicht mit rechten Dingen zu. Oder, meine Herren?! Wer von Ihnen wünschte sich die Angebetete nicht mal doppelt an seine Seite, mit oder ohne Hut? Wie wäre es mit einer orientalischen Verführung? Oder hätten Sie lieber eine nach Westernart...? Peng!
Sie sehen: das Angebot ist groß. Bitte spielen Sie mit, denn der Vorschlag des Fotokünstlers lautet:  Wählen Sie Ihren Favoriten! Indes hat dieses Spiel so überhaupt nichts gemein mit dem in den 90er Jahren verbreiteten Hütchenspiel oder dem Kinderbrettspiel. Aber weil diese Ausstellung eine eher humorige Angelegenheit sein möchte und sich nicht so ernst genommen wissen will, dürfen Sie heute IHR Hutbild wählen. Den Gesamtfavoriten erhalten Sie – so sie richtig getippt - dann auf Papier oder digital geschenkt.
Doch auch wenn das mehrheitlich nominierte Hutbild gewinnt, gibt es bei unseren Hütchenspielen keine Gewinner oder Verlierer. Diese hier stehen alle außer Konkurrenz. Ob in schwarz/weiß oder in Farbe, die Fotogalerie von Volkmar Fritzsche brilliert pünktlich zum Frühjahr mit belebenden Motiven.
DAS können Sie sich schon mal getrost „an den Hut stecken“.

9.Mai 2017
Solvig Frey

kunstkeller-dresden.de/ausstellung.htm