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Galerie Kunstkeller aktfotoARTdresden

„Kontraste“ - Fotografien von Volkmar Fritzsche
6.2.2018

„Kontrastmittel verbessern die Darstellung von Strukturen und Funktionen des Körpers bei bildgebenden Verfahren. Die Wirkung mancher Kontrastmittel ist indirekt, da das Kontrastmittel selbst kein Signal abgibt, sondern nur die Signalintensität in seiner Umgebung beeinflusst. Des Weiteren gibt es Kontrastmittel, die selbst direkt als signalgebende (oder signalverhindernde) Substanzen im Bild sichtbar werden.“, so die Erklärung im Internet.
Was das mit der Ausstellung „Kontraste“ zu tun hat?
Wenn Sie gerade ungläubig zu- oder -weggehört haben, werden Ihnen die im medizinischen Sinne erwähnten Begriffe von “bildgebenden Verfahren“ und „signalgebenden Substanzen“ entgangen sein.
Lassen Sie mich jedoch im Zusammenhang mit diesen Begrifflichkeiten etwas zum Anliegen dieser Ausstellung sagen.
Als „bildgebendes Verfahren“ würde ich hier den offensichtlich nicht vorhandenen „roten Faden“ bezeichnen, der sich gewissermaßen NICHT durch diese Ausstellung zieht. In gewollt willkürlicher, scheinbar regelloser Hängung finden sich Bilder an unterschiedlichen Stellen, die der Galerist in früheren Schauen zusammen gezeigt hätte.  Nicht nur hier wird das sonst bei der Platzierung der Bilder angestrebte Bedürfnis nach Harmonie gewissermaßen unterwandert. Diese konzeptuelle Besonderheit betrifft auch die Bildinhalte.
Relativ einfach erkennt man figürliche, räumliche oder altersbezogene Kontraste, schwieriger wird es, wenn es sich um andere – nennen wir es ruhig - Kontrastmittel handelt. Auf das Synonym der „signalgebenden Substanzen“ treffen Stahl, Stein oder Keramik genauso zu wie die Elemente Feuer oder Wasser.
Der Kontrast von in sich verschlungenen Metallbändern zu weichen Körperformen zum Beispiel: Hier bilden Metall und Haut eine perfekte, harmonische Paarung, was die Farbigkeit der Blätter noch unterstreicht.
Nicht nur Schneeengel strahlen Kälte und gleichzeitig Wärme aus. Auch das kalte Metall von Ketten auf nackter Haut erzeugt kontrastreiche Gefühle bei der Ansicht der Männer- und Frauenakte aus vergangenen Jahren.
Ein weiteres Kontrastmittel ist bereits hinlänglich bekannt:Shootingorte. Alte Gemäuer, Stacheldraht, brachliegende Industriebauten, aber auch Bahngleise haben wechselseitige Wirkungen auf Modell, Fotograf und Bildbetrachter. Trotzdem wird der Stammbesucher des Kunstkellers wohl anerkennend zustimmen, dass ein Ort, der gewöhnlich der Verschrottung dient, als neues, absolut reizvolles Ambiente einen hervorragenden Kontrast zu nackter Haut bietet.

Doch warum eigentlich suchte Volkmar Fritzsche diese Kontraste?
Dazu meint er: „Wir leben in einer Zeit, die uns alle großen Gefahren aussetzt. Unsere Verletzlichkeit ist groß, denken wir an Klima, Naturzerstörung, Terror, Krieg, giftbelastete Nahrung usw.
Davor schützt uns auch unsere Kleidung nicht. Nichts also kann diesen Fakt „Verletzlichkeit“ besser versinnbildlichen, bewusster machen, als den unbekleideten Körper genau dort zu fotografieren, wo symbolhaft Bedrohung ihn umgibt.“

Wenn Sie nun den Rundgang antreten, der vielleicht gar keiner sein wird...., Sie möglicherweise die Wege mit anderen Besuchern kreuzen...auf der Suche nach dem passenden Pendant eines Bildes...., dann hat die Idee des Fotokünstlers und Galeristen Gestalt angenommen.
So wie sich ein Kontrastmittel im Körper den Weg bahnt um damit Organe und -strukturen besser sichtbar werden zu lassen, so sollen auch hier Bilder genauer und aufmerksamer betrachtet werden.

Vielleicht stellt manch Einer sich die Frage, worin bei dem oder dem Bild der beschworene Kontrast zu finden sei. Auch da verweise ich auf die Definition vom Anfang und die indirekte Wirkung von einigen verwendeten Kontrastmitteln.
Manchmal dominieren eben die leisen Töne, die neben den laut schreienden oder offensichtlichen gehört oder besser gesehen werden wollen.

Fototechnisch sind nahezu alle von Volkmar Fritzsche bisher genutzten „bildgebenden Verfahren“ in dieser Ausstellung vertreten. Wir begegnen den frühen Diaprojektionen, die erst kürzlich hier in einer thematischen Ausstellung zu sehen waren, darunter bisher unveröffentlichten, wie die mit Vorlagen grafischer Muster des französischen Künstlers Victor Vasarely.
Es gibt (einige wenige) Fotomontagen und Multiple.
Die Aufnahmen mit Zeichnungen von und mit Eva, der vor vielen Jahren eine eigene Ausstellung gewidmet war, sind noch einmal in einer Auswahl zu bewundern.
Erwähnt seien auch die besonders schönen Fotos, auf denen der Künstler mit seinen leider etwas in Vergessenheit geratenen Metalldessous wirbt.
Es dominieren Schwarz-Weiß-Fotografien mit teilweise farblichen Akzenten. Auch dies ein beliebtes Kontrastmittel.

Ich möchte nicht alle benennen, denn ein paar Entdeckungen sollen Sie ja auch selbst machen.
Nur eines noch: es gibt ein ziemlich ungewöhnliches Sujet, das mir bei der Bilderschau sofort auffiel. Ungewöhnlich nenne ich es deshalb, weil es ein für Volkmar Fritzsches Handschrift ungewohntes ist. Die Geschichte dahinter können Sie sich gern bei Interesse von ihm selbst erzählen lassen. Und natürlich wäre der Galerist sehr glücklich, wenn er Sie mit diesem ungewöhnlichen Konzept erreichen würde. Ich sage nur soviel: Erreichbarkeit ist weder eine Frage des Alters noch der Herkunft.


Damit hoffe ich Ihre Neugier ein wenig geweckt zu haben.
In dem Sinne: einen schönen Abend Ihnen und kontrastreiche Begegnungen mit den alten und neuen Arbeiten von Volkmar Fritzsche.                


Solvig Frey

 

kunstkeller-dresden.de/ausstellung.htm