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St.Marienkrankenhaus

Karola Smy „ Am See, im Park und auf der Wiese“
St.Marienkrankenhaus, 16.Januar 2019

Es kreucht und fleucht auf den Fluren des St.Marienkrankenhauses...Das könnte gespenstisch sein oder – Einen ganz kribbelig machen. Denn mal ehrlich: Sie mögen doch bestimmt nicht Ihr Picknick mit Käfertieren oder anderen lästigen Insekten teilen, die sich selbst durch fortgesetztes Serviettenwedeln nicht verjagen lassen. Außerdem Mücken...Verderben jeden Tête a Têtes... Da hört doch der Spaß auf. Und dieser Biolärm: da summt es, zirpt und zwitschert...Autobahn ist nichts dagegen.
Apropos dagegen....Was sagt der Dichter Christian Morgenstern dazu:

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt,-
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift -
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Ah, so muss man das sehen! Da hab ich wohl verkehrt begonnen. Was Einem ein Krankenhaus auch so suggerieren kann... Gut, also nochmal auf Anfang:

Ich begrüße Sie aufs Herzlichste „am See, im Park und auf der Wiese“. Dies alles haben wir ja in und um Klotzsche, im ehemaligen Kurort Königswald: Silbersee, Waldpark, Hofewiese... Einheimische wissen, wovon ich spreche.
Das Thema könnte also nicht besser passen und: ich bitte Sie, vergessen Sie meine Anfangsworte! Denn einen stimmungsvolleren Auftakt zu dieser farbenfrohen Ausstellung haben Sie sich verdient.

Das bildliche Quaken der Frösche macht uns froh. Auch 100 Störche können ihnen hier nichts anhaben. (Etwas übertrieben, ich weiß, aber gezählt hab ich sie nicht...) Die Grillen sind hier gaaanz leise und lassen ein vielstimmiges Konzert nur erahnen. Über Hummeln freut man sich hierzulande mittlerweile, wird von ihnen doch inzwischen von den „neuen“ Bienen gesprochen, und ach ja, die gibt es ja wenigstens hier, über wundervollem Feuermohn.
  Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind? Hier!
Phasme géant – oder wie sie in einer früheren Ausstellung von Karola Smy eingedeutscht hießen: Phasmegeanten. Klingt doch viel poetischer als STABHEUSCHRECKEN. Und Ibis viel geheimnisvoller als LÖFFLER, der auch dieser Vogelfamilie entstammt. Zumindest die Ägypter verehrten diese Vögel mit dem langen, gebogenen Schnabel und setzten ihrem Gott Thot einen Ibisskopf auf.
Wobei es auch schon exotisch in der hier gezeigten Tierwelt wird: Giraffen, Affen, Löwen und Elefanten weisen uns den Weg. Und auch Christian Morgenstern, auf dessen Gedichte die Künstlerin ebenfalls zurückgriff und diese bebildert hat. Überhaupt meint man eine ganze Geschichte dazu erzählt zu bekommen, wenn man die Bilderwände abläuft. Vielleicht liegt es daran, dass die Arbeiten wie Illustrationen anmuten, fein erdacht zu Texten, die uns in manchmal ferne und oft auch nahe Welten entführen. (Sie erinnern sich: die Sache mit den Insekten.) Tatsächlich hat Karola Smy auch Publikationen heraus gegeben, in denen sie ihren Bildern Texte gegenüber stellt. Hier lässt das Sich-An-und Ineinanderfügen von Bild- und Wortspiel am schönsten erleben. Aber gebrauchen wir doch für diese Ausstellung unsere Phantasie. Die Künstlerin hat uns hierzu die schönsten Vorlagen erschaffen.

1955 in Leipzig geboren, waren mangelwirtschaftliche Umstände in der damaligen DDR der jungen Verlagsmitarbeiterin Grund für die Suche nach idealen Materialien um sich neben ihren Zeichnungen auch in anderen Formen der Kunst auszudrücken. Karola Smy gehört zu den neugierigen Menschen, die Entdeckungen zu machen lieben um sich weiter entwickeln zu können. Mit Begeisterung spricht ihr Mann, der Künstler Wolfgang Smy, über seine Frau, die Erfinderin Karola Smy, die sich Werkzeuge, Farben und Formen zu eigen macht um eigene Techniken zu entwickeln. Die sich nicht an Vorgefertigtem abarbeiten, sondern selbst kreiieren will. Ihr Credo: mehr Unikate, wenig Serie. So arbeitet sie u.a. mit der verlorenen Form, einer Druckplatte, auf der nach jeder aufgebrachten Farbe ein Stück Material entfernt wird, bis sie schließlich unbrauchbar ist. Ihre (größtenteils Öl-)Farben sind kräftig, haben Wiedererkennungswert. So, als würden sie – ich zitiere noch einmal Christian Morgenstern - sagen wollen:

Wie ward Dir Specht, so große Kraft!
Von Deinem Klopfen tönt der ganze Schaft
der hohlen Kiefer. Wär auch mir vergönnt,
dass ich die Menschen so durchdringen könnt.

Das hat Karola Smy auf jeden Fall erreicht. In ihrem zurückhaltenden Lächeln liegt Stolz, wenn sie erzählt, dass einige ihrer Schüler in ihre Fußstapfen getreten sind, sich im Künstlerischen wie sie zu Hause fühlen.
Aufsehen erregten nicht nur ihre malerischen, grafischen und zeichnerischen Arbeiten, die sie in Galerien und Ausstellungen sowie auf Messen zeigte, die in Wettbewerben hervorstachen, sondern auch ihre keramischen Objekte und Installationen. Ihre Keramikinstallation „Vogelzug“ beispielsweise ist am Geburtshaus von Paula Moderson-Becker, dem heutigen Kinderhaus in Dresden-Friedrichstadt zu sehen. Damit begegnet man Karola Smy – wie hier - auch im öffentlichen Raum. Als Stipendiantin, Preisträgerin und Mitglied im Künstlerverband ist sie außerdem im In-und Ausland präsent und ab April in einer weiteren Ausstellung, diesmal gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Smy, im Glauchauer Schloss zu erleben. Den Titel „Wege zu zweit“ wird diese Schau tragen und damit die gegenseitige Wertschätzung und Inspiration dieses Künstlerpaares thematisieren.
Die gemeinsamen Reisen nach Paris und Südafrika waren Grundstock für den Großteil der hier gezeigten Arbeiten von Karola Smy. Der Garten im Quartier Latin war ihr Quelle der Inspiration und gleichzeitig Zuflucht vor der lärmenden Pariser Innenstadt.
Dass Beide die Stadt als Lebensquell trotzdem vermissen, spürt man, wenn man sie den Verlust ihres Dresdner Ateliers am Albertplatz, übrigens dem ersten (nun leider zerstörten) Fotoatelier Dresdens, beklagen hört.
 
Doch das Leben ist einfach zu schön und zu bunt um lange Trübsal zu blasen. „Willkommen étranger, stranger...“, heißt es in „Cabaret“ und diesen Titel trägt gleichfalls einer ihrer Zirkusblätter.
Also sage auch ich: „Willkommen“,  willkommen in der Welt der Wunder. Denn was Anderes als ein Wunder könnte das sein, was wir hier sehen und das auch Christian Morgenstern besingt:

Wie wundersam ist doch ein Hügel,
der sich ans Herz der Sonne legt,
indes des Winds gehalt'ner Flügel
des Gipfels Gräser leicht bewegt.

Mit bunten Faltertanz durchwebt sich,
von wilden Bienen singt die Luft
und aus der warmen Erde hebt sich
ein süßer hingeb'ner Duft.

Solvig Frey
16.Januar 2019