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Kurzprosa

 
Du bist schon da. Schön. Ich schau dich so gern an.

Nein, sag nichts. Ich mag die Spannung, die zwischen uns entsteht, wenn wir miteinander schweigen.

Da, nimm –  ist meine letzte.
Dein Augenaufschlag, wenn ich dir Feuer gebe, haut mich um.
Ich hoffe, du bemerkst das Zittern nicht.

Diese Augen.
Heute sind sie tiefschwarz.
Mein Blick flieht dem deinen.

Deine Hand, deine freie Hand holt mich zu dir. Ganz nah. Ganz nah, dass ich deinen Atem spüren kann. Rauchgeschwängert.
Noch ein Zug.
Und in mir ein Beben.

Das Glas. Noch unberührt. Tiefrote Tropfen benetzen meine Lippen. Du holst sie dir zurück. In einem Kuss, der die Hitze des Augenblicks und den Geschmack von Tabak bindet.

Meine Finger spielen unser Lied auf dem Rand des Glases, während du die Zigarette löschst.
Eine lange Sekunde bleibt dein fragender Blick an meinem Medaillon hängen. Du kennst es noch nicht. Aber ich verscheuche deine stumme Frage.

Spät ist es geworden.
Unser Schweigen, unsere Küsse, unsere Umarmungen.
Du gehst zahlen.

Im Glas der Rest des Weines, der dich für immer binden wird.
Fraglos nimmst du ihn dir.

Und ich, ich bewahre deinen Blick.
Ich schaute dich so gern an.

 

(entstanden für ein Tanzprogramm 2015)