Mode im Fokus

Die Farbenpracht der Bleiglasfenster in der Hagia Sophia, einer ehemals byzantinischen Kirche aus der Heimat des Jungdesigners Hüseyin Özer, Istanbul, waren die Vorlage für die mit Preisen belegte Kollektion  (links).

Özer verarbeitete hier unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit Leder, Pelz und Kaschmir, Material, das er auf Flohmärkten fand, einfärbte und nach seiner Vorlage bearbeiten ließ. Insgesamt 8 Monate währte die Arbeit an den 3 Ausstellungsstücken. 2018 und 2019 erhielt er dafür  im Rahmen von Wettbewerben („REMIX Eurasia 2018       und

„REMIX international 2019“  Auszeichnungen. VITRAY (so der Name der Kollektion) wurde in Mailand, Madrid und London vorgestellt. Sein Beitrag war außerdem Thema des italienischen VOGUE – Magazins.

Am vergangenen Wochenende war Özer im Kunstverein Talstraße, in Halle an der Saale zu Gast –  der Stadt, in der er 2017 an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein sein  Modesignstudium sehr erfolgreich mit dem Bachelor abschloss.  Er lud ein zu einem Gespräch über Details und Hintergründe seiner Arbeit, zu vergangenen und gegenwärtigen Projekten. Besonders angesprochen fühlten sich Studenten der Fachrichtung Modedesign der Burg. Hier plauderte Özer ganz wohltuend unprätentiös aus dem (sprichwörtlichen) „Nähkästchen“ und  hinterließ nach knapp 3 Stunden Begeisterung und motivierte Studentinnen.

Im zweiten Raum der Kabinettausstellung in der Talstraße erhielt seine Bachelorarbeit unter dem Titel WITH:outlier Platz. „Schutz“hüllen stellten hier die Ausgangsbasis seiner Kreationen: Kleidersäcke, ihrem Zweck nach Hüllen um Kleidung zu schützen. Umseitig verwendete Özer eine digitalisierte Vorlage der Stoffe, die ihn während seiner Studienzeit in Halle begleitet hatten.  In kaleidoskopischer Vervielfältigung wurden Farben und Formen zu unterschiedlichsten Mustern geprägt, veränderten somit Wirkung und Erscheinungsbild sehr variabel und farbintensiv. Die Hüllen lassen sich von Mänteln in Röcke oder Umhänge verwandeln. Sie verbergen Geschlecht, Herkunft und Befindlichkeit des Modells. Die ganzkörperbezogenen Puppen betonen mit ihren Masken diese genderneutrale Interpretation. Gleichzeitig legen sie den Fokus auf die Phantasie der Betrachter und ergänzen das Konzept um den Kritikpunkt an der allgegenwärtigen  Selbstdarstellung via Instagram und anderen social media-Kanälen. 2018 wurde auch diese Kollektion geehrt beim Designblock/Prague.

„Am Ende wird alles gut.“ – spricht der Jungdesigner und macht sich auf zu neuen Wegen. Denn unterwegs sein, meint er, Kontakte knüpfen, Illusionen erschaffen und Träume verwirklichen, das sind die Grundsätze für gute Designarbeit. Die  Prominenz der Branche liegt ihm indes schon zu Füßen. Bei soviel gesundem Selbstvertrauen und Kreativität, die harte Arbeit verraten, wünscht man sich, dass der Name Hüseyin Özer im Fokus Mode zur einprägsamen und beständigen Marke wird.