Galerie Kunst und Eros

Viktoria Graf „Visions“, Galerie Kunst&Eros

Irgendwo sehr weit weg, da gibt es einen Ort,
dort ist alles perfekt
Er ist leider ein klein bisschen ungünstig versteckt
Vermutlich hast du ihn deswegen bisher nicht entdeckt
Denn er ist mitten in dir (Die Orsons)

Alles ist möglich: Parallel-und Scheinwelt, Fiktion und Traum, Realität und Illusion, Relikt und Erinnerung.
Aus all den Zutaten entstehen die Welten der Viktoria Graf.
Phantastisch muten sie an, zuweilen nicht dekodierbar, verbergen für sie Unsagbares. Geboren aus Erleben und Erinnern fließen sie auf Leinwand und Papier.

Eine Milliarde Strudel kommen zur Ruhe
Zwischen deinen Augen wächst eine Blume
Wie schön es ist und wie’s weh tut
Egal wann du gehst, merk dir den Weg gut (Die Orsons)

Nachts. Fenster weit offen, Sinne auch. Falter suchen das Licht. Nicht nur sie – finden es. Ein Dialog zwischen Dies-und Jenseits entspinnt sich. Das Flattertier spendet Erinnerung an nächtliche Konversationen und hinterlässt staubige Spuren an der Wand, wird schließlich zum Symbol auf der Leinwand: Schönheit ist versteckt und entfaltet sich im Innern. Verpuppung sorgt für Innehalten. Das Geheimnis kann nur lüften, wer es begreift.

Wieder. Nachts. Ohne Ablenkung fliehen die Gedanken nicht.
Tanzt die Ballerina ein Pas-de-deux oder bleibt sie allein, den Kopf im Nacken, bereit für das Kreuz-Visier. Ihre Verletzungen heilen nur langsam: Du musst lange geduldig und fortgesetzt hart an dir arbeiten. Für den Erfolg winkt dir der Lorbeer–Kranz. Versteckt im Haar-Bob: Die langen Strähnen sind längst dem Kampf mit sich selbst zum Opfer gefallen.

Wer schon mal da war, kann dir ein Lied davon singen
Die Türe durch die du musst, öffnet sich nur nach inn’n
(Die Orsons)

Tags. Streicht ein Windzug durchs offene Fenster und Gustav, der Kater, durchs Atelier. Begutachtet die entstandenen Blätter, die ihm nichts sagen. Wie sollten sie auch. Nur fürs Portrait hält er Rast. Sonst ist alles in Bewegung: Kater und Malerin. Im Gehen kreisen die Gedanken. Beim Innehalten kommen sie kurz zur Ruhe und lassen Momentaufnahmen entstehen. Zeichnungen, die nach draußen wollen und dürfen.

Das unsichtbare Meer schwebt über dem Land
Alle Nasen und Münder, auf dem Planet sitzt ein Strand
Sauerstoff auf der Zunge
Da ist ein Urwald in jeder Lunge (Die Orsons)

Auch. Tags. Winters. Ballert der kleine Ofen in der Atelierecke Wärme ins Zimmer. Damit die Energie fließen kann, von den Füßen in den Kopf zur Hand.
Dazwischen liegt die Yogamatte.
Der Sonnengruß erwärmt den Körper so wie Gedanken an Sonnenstunden den Geist. Kleine und große Geheimnisse werden dem Maluntergrund anvertraut.

Durchforste ihn, finde den extraterrestrischen Tempel
Beschreite das Tor zu den Sternen und flieg‘ mit den Engeln
Erinner‘ dich, fall vom Himmel
In der Mitte der Zeit besteht die Möglichkeit einer Insel
(Die Orsons)

Viktoria Grafs Stärke ist es Geschichten zu erzählen.
Ihre Worte sind Bilder, die sie schon früh zu Papier brachte, weil sie in diesem Tun bestärkt wurde. Diese Art des Sich-zum Ausdruck-Bringens ließ sie nicht los, entwickelte sie während ihrer Ausbildung zur Grafikdesignerin weiter, gipfelte in ihrem Studium an der HfbK Dresden, das sie 2013 mit dem Meisterstudium bei Prof. Adamski abschloss.
Seitdem lebt sie freischaffend als Künstlerin.
Ihre Bilder, denen man ihre Vorliebe für die weibliche Attitüde ansieht, sind seitdem in zahlreichen Ausstellungen unterwegs. Wurden ihre märchenhaft-geheimnisvollen Kompositionen zu Studienzeiten noch belächelt, weil Gegenstandloses und Abstraktes das vorherrschende Thema waren, genoss sie zunehmend Respekt und Anerkennung auf Messen und in Galerien. Eine ihrer wichtigsten Einzelausstellungen nach dem Studium war 2014 „alien vs.predator“ in der Villa Eschebach. Auch die Ausstellungen „Ehrenwort“ im Landtag und „Intermezzo“ in der Landesärztekammer zählen dazu. In Letzterer zeigte sie die ganze prächtige Farbpalette ihrer Kunst und überzeugte in 2 Etagen mit Malerei, aber auch mit ihren leiseren Zeichnungen.
Nun hat Janett Noack die Arbeiten in ihre Galerie geholt, von denen die Künstlerin schon lange träumte sie zeigen zu können. Es sind auf den ersten Blick wieder farbige Arbeiten, die das Augenmerk auf sich lenken. Aber beim zweiten, beim genaueren Hinsehen bilden gerade die Wolke aus Zeichnungen und die kleineren Arbeiten mit Fokus auf sinnliche Szenen den Hauptanteil dieser Ausstellung. Diese Zeichnungen sind Fragmente von Erinnerungen. In ihren Skizzenbüchern finden sich Unmengen solcher Gedanken und Ideensplitter. Zusammengefasst ergäben sie einen kleinen Erzählband, den man nicht wieder aus der Hand legen würde. Diese Form des Geschichtenerzählens möchte sie weiterentwickeln. In ihren Malereien tritt deshalb die Grafik verstärkt in den Vordergrund. Die Darstellungen erreichen eine neue Qualität, die Formen werden klarer, die Art der Vermittlung präziser. Was ihr wichtig ist – die zwischenmenschliche Beziehung – erreicht in ihrer Vorstellung ebenfalls eine neue Qualität.

Diese „Vision“, vervielfacht der ausstellungsgebende Titel, umschreibt den Raum, an dem sie sich künstlerisch auseinandersetzend abarbeitet.
Unfassbares, verschobene Realitäten, auch Unmögliches interessieren sie. Ihre Vision ist die Freiheit in der Kunst ohne Dogma und Urteil.

Nächste Visionen sind jedoch greifbare Projekte: weitere geplante Ausstellungen, u.a. im nächsten Jahr im Kulturpalast und 2021 im Kastenmeier.
Aktuell war sie gerade auf der Messe „art fair position“ in Berlin durch eine Bremer Galerie vertreten gewesen. Diese widmete ihren Bildern eine eigene Wand. Somit ging ein lang gehegter Traum der Künstlerin in Erfüllung und hoffentlich auch der interessierter anderer Galeristen und Besucher dieser Kunstmesse.

Für diese Ausstellung brauchen wir nur noch unsere eigene Vorstellungskraft um hinter die Masken in der Künstlerin Motive zu blicken.
Dafür wünsche ich einen schönen Eröffnungsabend sowie viel Freude am Entdecken und Hinterfragen der Visionen der Viktoria Graf.

Solvig Frey
Dresden, 20.September 2019

 

www.kunstunderos.de