Museum aktfotoARTdresden

Vernissage Museum aktfotoARTdresden 24.Mai 2020

In 2 Monaten jährt sich bereits das Bestehen dieses kleinen Museums für zeitgenössische Aktfotokunst im Kunstkeller.
Ein guter Grund für den langjährigen Betreiber und Begründer der ehemaligen Galerie und jetzigen Museums, Volkmar Fritzsche, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.
In der Zeit der Um-und Neuorientierung erfuhr er eine durchweg positive Resonanz. Abgesehen davon, dass sich der Ort nun in das museale Angebot der Stadt einfügt und damit auch öffentlich unter dieser Kategorie für Kunstinteressierte zu finden ist, hat er von den Besuchern der vorangegangenen Ausstellung ein überaus erfreuliches Feedback erhalten, was ihn zur Fortführung dieses Formats ermutigt. Er begann daher zum Jahreswechsel mit einer sukzessiven Aktualisierung der Ausstellung, nahm Kontakt zu den bisher vertretenen Künstlern sowie zu Künstlern auf, die das Gesicht der Galerie in der Vergangenheit mitgeprägt hatten. Außerdem sichtete er seine eigenen fotokünstlerischen Arbeiten und eröffnet heute ebenfalls eine kleine Retrospektive im hinteren Ausstellungsraum.
Für das Museum schuf er zudem Texttafeln, die das Entstehen und Wachsen dieses Ausstellungsortes dokumentieren und darüber hinaus Wissenswertes über Aktfotokunst vermitteln. Jedem Künstler ordnete er einen kleinen informativen Textbeitrag zu dessen Arbeiten bei.
Vielleicht fällt es selbst dem regelmäßigen Besucher nicht sofort ins Auge…Aber in den vergangenen Monaten, in denen kein Publikumsverkehr möglich war, installierte Volkmar Fritzsche zusätzliche Informationsquellen und führte Ausbesserungsarbeiten durch, an denen Sie sich heute erstmals erfreuen dürfen.

Nun möchte ich jedoch einige Worte zu den Fotokünstlern sagen. Die meisten werden Ihnen mit ihren Arbeiten aus der vergangenen Ausstellung bekannt sein. Folgen möchte ich der Anordnung in den Räumen und beginnen mit Johannes Barthelmes, der neu in der Ausstellungs-kollektion des Museums vertreten und doch kein Unbekannter hier ist. Der Kunstkeller widmete ihm bereits mehrere Einzelausstellungen, die letzte mit dem Titel „Aus dem Stegreif“ im Jahr 2014. Johannes Barthelmes ist Jazzmusiker und Fotograf. Er lebt und arbeitet in Berlin. Die Auswahl der von ihm im jetzigen Rahmen gezeigten Bilder favorisiert den Rückenakt und ist außerdem Zeugnis seiner aktiven Reisetätigkeit.
Auch aus Berlin kommt Andreas Maria Kahn. Nach den außergewöhnlichen Portraits der letzten Schau zeigt er diesmal Fotos seiner Bilderserie „Holy Arrangements“ – Heilige Inszenierungen. Die Umsetzung der religiösen Bildmotive als Akte erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, auf den zweiten jedoch ein- oder besser erleuchtend (?), wenn man an historische Darstellungen von Heiligen in der Malerei denkt. Seine Apostel und die sie umgebenden Anbetenden sind sorgfältig ausgewählte Modelle und gleichzeitig auch Charaktertypen, die der Vorstellung des Fotokünstlers für die Umsetzung seiner Projektidee entsprachen.
Mario Palitzsch aus Dresden ist dem klassisch Schönen zugeneigt und trifft seine Modelle im direkten Gespräch. Die Natürlichkeit dieser sieht man seinen Bildern an. Auch er bevorzugt Rückenansichten. Für diese Ausstellung steuerte er außerdem eine liegende Venus und Spiegelakte bei, die seine – wie er sagt – fotografische Intention des „visualisierten Begehrens“ unterstreichen.
Eine neuerliche Begegnung mit dem Fotokünstler
Marc Antonio aus Chemnitz erwartet den Besucher ebenfalls im ersten Ausstellungsraum. Wie zuletzt macht er auch dieses Mal mit seinen männlichen Kunstakten auf sich aufmerksam. Seine Modelle, mit denen er teilweise schon über Jahre und in Serien arbeitet, fotografiert er vorzugsweise in der Landschaft, gern auch an lost places. Seine romantische Sicht legt dabei eine malerische Wahlverwandtschaft nahe. Und richtig: die Impressionisten waren vor 25 Jahren Auslöser seiner fotografischen Ambitionen. In den neuen Arbeiten wird außerdem deutlich, wie eng sein Faible für ausgesuchte Orte mit den von ihm inszenierten Inhalten verbunden ist.
Weibliche Aktfotokunst zeigt uns Henriette van Gasteren alias Lilith aus den Niederlanden. Sie benutzt ihre Selbstinszenierungen um die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu kommentieren. Auch sie ist bei uns keine Unbekannte mehr, denn mit ihrer Soloausstellung – Schwarz-Weiß-Akte, mobil aufgenommen in der Badewanne – war sie 2015 zu Gast im Kunstkeller. Ihre neuen „self-portraits“ sind farbige Frontalansichten und artistische Kunstakte. So viel Raffinesse und mehr erwarten wir auch in ihrem demnächst erscheinenden Fotoband, betitelt schlicht mit ihrem Namenskürzel, unter der mittlerweile auch ihre Homepage zu finden ist: HJIM.
Unterwasserfotografien sind die Domäne von
Günter Wünsche aus Coswig, den wir auch zum zweiten Mal im Museum begrüßen dürfen. Der Reiz seiner Spiegel-Akte erhöht sich mit dem Wissen um die analoge Entstehensweise seiner Fotografien. Die Synchron-schwimmerinnen, deren Aufnahmen er hier präsentiert, mussten neben einer guten Figur eine besondere physische Fitness, aber auch Offenheit für fotokünstlerische Motive mitbringen.
Dass erneut Arbeiten des Fotografen Werner Lieberknecht aus seinem Zyklus „Schwarzfahrten“ in dieser Ausstellung vertreten sind, freut uns besonders. Für Werner Lieberknecht ist der Akt vor allem ein Portrait – er wird eben nicht des Aktes willen aufgenommen. Der Fotograf ist in Dresden hauptsächlich mit Architektur- und Kunstfotografie bekannt. Er begleitete u.a. Hermann Glöckner zu dessen Lebzeiten im Atelier und ist Mit- Kurator der Evelyn-Richter-Retrospektive im Albertinum, einer Ausstellung, die noch bis Mitte Juli dort zu sehen ist.
Klaus Ender und Günter Rößler gehören zu den bekanntesten Vertretern der Aktfotografie in der ehemaligen DDR. Von Klaus Ender sehen wir hier noch einmal u.a. eine prämierte Fotografie sowie Bilder, die sein Hauptaugenmerk, das auf jugendlich-natürlich schönen Körpern lag, widerspiegeln. Beide Fotografen arbeiteten oft im Umfeld der damaligen Freikörperkulturszene, die das Bild des natürlichen Umgangs mit dem nackten Körper in der DDR prägte.
Im sogenannten „Kabinett“ befinden sich neben dem durch Tanzfotografie bekannten Fotokünstler Thoralf Möhlis Arbeiten des Kölner Fotografen Markus Lokai sowie des Künstlerpaares Alheim/Schubert.
Thoralf Möhlis – unter seinem Synonym KOBOLDfoto in der alternativen Tanzszene bekannt – hat aus seiner Serie mit den „Lady Kittys Hells Belles“ erneut einige Aufnahmen ausgewählt, die eine wunderbare Vorstellung dessen vermitteln, womit die Frauen dieser Gruppe ihr Publikum (und offensichtlich auch den Fotografen) verzaubern – einer Mischung aus Tanz, Akrobatik und Erotik. Wer den Tanz an der Stange bisher nur als Belustigung und Animation für leicht angetrunkene Herrentagsgruppen oder Junggesellenabschiede gehalten hat, wird hier eines Besseren belehrt. Das gibt’s durchaus auch als Kunst, meine Herren!
Markus Lokai war in der letzten Ausstellung mit musikalisch-tänzerischen Akten in Diaprojektionen vertreten. Seine neuen Fotografien zeigen einen Ausblick auf die aktuell entstandenen Bilder seiner Reihe „Sinnliche Couch Quarantäne“. Derzeit sind diese allerdings nur in Socialmedia via Instagram zu sehen. Wir freuen uns jedenfalls, dass er wieder mit seinen Arbeiten im Museum präsent ist.
Für die meisten wird das Künstlerpaar Alheim/Schubert neu im Kreis der hier ausgestellten Künstler sein. Dabei sind es keine Neulinge für den Kunstkeller. Einige der jetzt hängenden Arbeiten wurden im Rahmen einer Galerieausstellung bereits im Jahr 2006 gezeigt. Die Männerakte besitzen eine Intimität und Anziehungskraft, der man sich nicht entziehen kann und auch nicht sollte, meine ich. Dass die Aufnahmen von einer Frau gemacht wurden, rundet die Präsentation von zeitgenössischer Aktfotografie hier im Museum und das Spektrum an Möglichkeiten, die es auf diesem Gebiet gibt, ab.
Ich, wir hoffen, Sie haben trotz der notwendigen Beschränkungen, für deren Verständnis wir Ihnen hiermit danken, einen spannenden Nachmittag und freuen uns auf Ihren weiteren Besuch im Museum aktfotARTdresden.
Wir danken für Ihr Wohlwollen und Ihre Treue.

Solvig Frey
24.Mai 2020